0

MGKK Musikgymnasium
Käthe Kollwitz

Sie unterrichten die Fächer Deutsch und Geschichte, richtig?

Überhaupt nicht, ich unterrichte Geografie und Mathe, aber Mathe habe ich seit ganz vielen Jahren nicht mehr unterrichtet.

Also unterrichten Sie zurzeit ausschließlich Geografie?

Richtig.

Möchten Sie uns evtl. Ihr Alter verraten oder wie lange Sie schon Lehrerin sind?

Ich hatte ja einen runden Geburtstag vor wenigen Tagen und das ist der letzte runde Geburtstag, den ich in der Schule feiere. (=60)

Das ging bei uns ja damals alles ein bisschen schneller - also bin ich mit 23 Lehrerin geworden.

Und seit wann unterrichten Sie an dieser Schule?

Naja, seitdem es die Schule gibt - seit 1991.

Sind die Fächer, die sie heute unterrichten, damals auch schon Ihre Lieblingsfächer gewesen?

Also, es waren schon meine Lieblingsfächer. Mathe war ein Fach, welches ich sehr gerne mochte. Studieren wollte ich in Greifswald. Das passte somit, da man sich die Fächer damals nicht selber zusammenstellen konnte, so wie das heute möglich ist. Es gab bestimmte Kombinationen und deswegen musste ich mich zwischen Physik und Geografie entscheiden und ich habe Geografie ausgewählt.

Wie oft haben sie damals etwas in der Schule „angestellt“?

Also, im Großen und Ganzen war ich schon eine ganz liebe Schülerin und habe eigentlich immer das gemacht, was ich machen sollte, aber es gab schon so die eine oder andere Sache, die man einfach mitgemacht hat, weil sie alle gemacht haben. Das ist bei euch heutzutage ja auch noch so.

Wie oft haben Sie gespickt?

Naja, gespickt muss ich sagen, habe ich wirklich nicht, aber nicht, weil ich jetzt irgendwie besonders moralisch war, sondern weil ich einfach viel zu viel Schiss davor hatte. Ich denke, mir würde es heute noch genauso gehen. Wenn ich beispielsweise schwindle, dann sieht man mir das auch sofort an. Das kann und konnte ich einfach nicht.

Haben Sie immer all Ihre Sachen dabei gehabt?

Besonders super ordentlich war ich nicht. Es war immer so, dass es nicht aufgefallen ist. Ich kann mich erinnern, es gab ja so eine Zeit, in der die Schulbücher ganz schwer waren und da hat man sich mit dem Nachbarn abgesprochen, wer welches Buch für welches Fach mitnimmt. Aber Hausaufgaben habe ich meistens immer gemacht - also fast immer, sagen wir es mal so, die Schriftlichen zumindest.

Wo haben Sie ihr Abitur abgelegt und wie schnitten Sie ab?

Es war schon ganz gut. Es hieß ja damals „Erweiterte Oberschule“ in Grimmen. Nach der achten Klasse sind wir also auf die EOS gegangen.

Haben Sie einen Rat aus Ihrer Schulzeit mitgenommen, den Sie heute jedem Schüler/jeder Schülerin mit auf den Weg geben würden?

Na, ich würde schon sagen, dass man ganz gut fährt, wenn man einigermaßen aufmerksam im Unterricht ist. So spart man sich viel Zeit, wenn es auf Klausuren etc. zugeht.

Gibt es etwas, das Ihnen positiv an unserer Schule auffällt?

(Frau Mader-Ullrich lacht)

Naja, dass wir doch so nette Schüler und Schülerinnen haben!

(Frau Mader-Ullrich: Das habe ich gestern gerade gesagt!)

Ja, das würde ich auch sagen, also es macht meistens ganz viel Spaß mit euch zu arbeiten. Natürlich gibt es Momente, in denen man sich ärgert, aber das tut ihr ja auch, also ist es nicht so schlimm.

Gibt es auch etwas Besonderes, an das Sie sich aus Ihrem Studentenleben erinnern?

Ach doch, wir haben doch auch schön gefeiert, aber dafür auch gearbeitet. Studentensommer gab es bei uns. Es gibt ja heute noch eine vorlesungsfreie Zeit und die haben wir in Berlin verbracht. Dort arbeitete man, um ein bisschen Geld zu verdient und wir hatten auch die Möglichkeiten, andere Sache zu machen.

Wie steht Ihre Familie zu ihrem Beruf?

Meine Tochter ist auch Lehrerin geworden. Ich glaube, das sagt schon alles. Mein Vati war ebenfalls Lehrer. Sie alle wissen, dass es ein schöner Beruf ist, aber sie wissen eben auch, dass da eine gewisse Menge an Arbeit dranhängt. Mein Mann ist übrigens auch Lehrer. Hätten wir zu Hause nur gejammert, dann hätte unsere Tochter sich sicher nicht für diesen Beruf entschieden.

Wie viel Zeit nimmt es in Anspruch, so eine Oberstufenunterrichtsstunde vorzubereiten?

Es geht natürlich im Laufe der Zeit schneller, aber bei einem neuen Themenbereich kann die Vorbereitung für die Oberstufe schon so 2-3 Stunden in Anspruch nehmen.

Haben Sie Hobbys, mit denen Sie den Stress ausgleichen können?

Ich lese gerne, gehe gerne ins Theater, ins Kino. Die eine Sache, die ich aber bisher noch nicht hinbekommen habe ist Sport. Nach dem sportlichen Ausgleich habe ich immer gesucht, aber ich glaube, das gebe ich langsam auf.

Welche Methode ist Ihrer Meinung nach die Beste gegen den Frust des langjährigen Unterrichtens gleicher Inhalte?

Dinge ab und zu einfach ein wenig zu verändern. Es hilft, den Unterricht etwas anders zu gestalten - das macht viel aus.

Haben Sie manche Ausdrücke aus unserer Jugendsprache übernommen?

Übernommen nicht, ich verstehe sie natürlich, aber übernommen nicht: „chillen“ oder „geil“, sowas halt, aber das war es dann auch schon.

Wie stehen Sie zu unserer Jugendsprache?

Ach wisst ihr, unsere Eltern haben sich bestimmt auch gedacht, dass wir anders miteinander reden könnten, aber das werdet ihr später sicher auch denken. Natürlich mag ich manche Kraftausdrücke nicht, aber sie sind meistens auch spaßig gemeint.

Wie viele Stunden in der Woche unterrichten Sie und wie viele Klassen haben Sie?

Da muss ich erst einmal nachrechnen. Naja, also 12-14h die Woche, es kommt drauf an. Dann habe ich aber auch so ca. 14 Klassen.

War Geographie Ihr bestes Fach in der Schule?

Naja, das Beste war es nicht. Ich mochte Deutsch sehr, aber ich bin froh, dass ich nicht Deutsch unterrichte. Mein Vater hat mich damals schon davon abgehalten und wenn ich heute höre, wie Frau Mader die Aufsätze korrigiert, bin ich glücklich darüber, Mathematik studiert zu haben.

Was war Ihr schlechtestes Fach?

Fremdsprachen waren damals nicht so meins. Englisch und Russisch waren meine Fremdsprachen.

Sind Sie heute noch zufrieden und glücklich mit Ihrer Berufswahl?

Doch, ja. Also wenn ich mich noch einmal entscheiden müsste, wäre es nach wie vor einer der Berufe, die in Frage kämen.

Wir bedanken uns an dieser Stelle für Ihre Zeit und das Interview!

Von Ayla Sophie Junge und Valeriia Bohatyr